Ponke Urban

Seniorenberatung als Lotse durch das Pflegelabyrinth

Aichach (oh) | Die Menschen werden immer älter. Keine andere Altersgruppe wächst so schnell wie die der Hochaltrigen. Je höher das Lebensalter, umso höher wird das Risiko der Pflegebedürftigkeit. Um pflegenden Angehörigen bestmögliche Unterstützung zu geben, hat das Landratsamt die Seniorenberatung um eine halbe Stelle verstärkt. Claudia Götzelmann ist neben Ina Albes und Johanna Möst neu im Team der Fachstelle für pflegende Angehörige, die kostenlose, neutrale und unabhängige Beratung und Information rund um das Thema Pflege anbietet.

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Die Seniorenberaterinnen für den Landkreis (v. l.) Johanna Möst, Ina Albes, Claudia Götzelmann Foto: oh

Die Seniorenberaterinnen für den Landkreis (v. l.) Johanna Möst, Ina Albes, Claudia Götzelmann Foto: oh

Die Fachstelle für pflegende Angehörige hat Verstärkung bekommen
 
Der Wunsch in der eigenen Häuslichkeit versorgt zu werden, genießt bei den Pflegebedürftigen einen hohen Stellenwert und trägt sehr viel zu deren Lebensqualität bei. Fast drei Viertel (73%) der Personen, die Pflege benötigen, werden zu Hause versorgt. In 47 Prozent der Fälle übernehmen dies die Angehörigen – in der Regel die eigenen Kinder oder Ehepartner. Der Anteil wird künftig aller Voraussicht nach sinken, denn zur demografischen Entwicklung kommen noch gesellschaftliche Veränderungen, die dies verschärfen. Angehörige leben oft weit voneinander entfernt und das traditionelle Frauenbild ist im Wandel begriffen. So ist es heute selbstverständlich, dass Frauen berufstätig sind und nicht mehr so viele zeitliche Ressourcen haben wie früher.
 
Trotzdem sind es immer noch vorwiegend die Frauen, die eine zeitaufwendige Pflege und Versorgung übernehmen. Politisch gesehen ist die Pflege von Angehörigen nach der Prämisse „ambulant vor stationär“ zwar gewollt, in der Umsetzung jedoch oftmals sehr schwierig. Die Dreifachbelastung von eigener Familie, Beruf und Pflege bedeutet einen großen psychischen Druck. Die fehlende Zeit und der Anspruch, allem gerecht zu werden, bringen häufig Stresssymptome hervor. Um letztendlich nicht in der Spirale der Überlastung und gesellschaftlichen Isolation zu münden, suchen die Betroffenen das Gespräch in der Fachstelle.
 
Aber auch Angehörige, die plötzlich und unerwartet mit einem Pflegefall in der Familie konfrontiert werden, kommen mit vielschichtigen Fragen in die Beratungsstelle. Wie kann die Versorgung zu Hause organisiert werden? Welche professionellen Dienste stehen zur Unterstützung zur Verfügung? Welche ambulanten Hilfen gibt es vor Ort? Welche Veränderungen in der Wohnung sind notwendig? Welche Hilfsmittel sind sinnvoll? Muss warmes Mittagessen geliefert werden? Wäre eine teilstationäre Versorgung eine Alternative? Was passiert in einer Krisensituation? Für diese Fragen nehmen sich die Beraterinnen Zeit, um mit den Angehörigen die bestmögliche Versorgung auszuloten und individuelle Vorschläge anzubieten.
 
Die Beratungen haben seit der letzten Reform der Pflegeversicherung 2017 durch das Pflegestärkungsgesetz stark zugenommen. Die Leistungen wurden den fünf Pflegegraden angepasst und das Begutachtungsverfahren durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen neu geregelt. Um sich in dem sehr differenzierten Leistungs- und Begutachtungssystem zurechtzufinden, informieren die Beraterinnen je nach Situation über die verschiedenen Möglichkeiten. Neben der Lotsenfunktion durch den Gesetzesdschungel stehen für die Beraterinnen die Bedürfnisse und Sorgen der Betroffenen im Vordergrund ihrer Beratungen. Körperlich beeinträchtigte Personen brauchen andere Hilfen, als wie z. B. ein Demenzerkrankter, der einen hohen Anteil an Betreuung benötigt und dessen Angehörige Entlastung brauchen.
 
Seit nunmehr 20 Jahren gibt es die Seniorenberatung am Landratsamt. Um kurze Wege für die Ratsuchenden zu haben, wurden von Beginn an in Friedberg und in Mering Außenstellen eingerichtet. Diese Struktur wird auch weiterhin beibehalten. Claudia Götzelmann, mit Büro im Landratsamt, ist für die nördliche Region, Johanna Möst, mit Büro in Friedberg, für die mittlere Region und Ina Albes, mit Büro in Mering, für den Süden zuständig.



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