Ponke Urban

Verständnis in der Trauer

Aichach (ike) | Einmal monatlich, jeweils am dritten Sonntag jedes Kalendermonats, veranstaltet das St. Afra Hospiz, der ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst im Caritasverband Aichach-Friedberg, sein Trauercafé.

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Das Trauercafè des St. Afra Hospizes feierte sein 10-jähriges Jubiläum. Es gibt Gesprächsangebote und auch gemeinsamer Genuss
 
Seit zehn Jahren folgen Trauernde aus dem gesamten Landkreis der Einladung in die Räumlichkeiten der Tagesstätte für psychische Gesundheit in der Münchener Str. 19. Im Beisammensein mit Menschen, die ebenso wie sie einen großen Verlust erlitten haben, finden sie Verständnis, Trost und auch Mut für den Alltag. „Unser Konzept ging von Anfang an auf“, freut sich Manuela Lang, die im St. Afra Hospiz Ansprechpartnerin für sämtliche Trauerangebote ist. Dazu gehört auch ein regelmäßiger Trauerstammtisch oder saisonale Angebote wie „Gehen in der Trauer“.
 
Zusammen mit der leitenden Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes Christine Neukäufer plante sie vor zehn Jahren das gesellige Angebot für Trauernde. Seitdem folgen jeden Monat rund 25 Gäste der Einladung ins Trauercafé. Auf den ersten Blick ist so gar nichts Trauriges zu erkennen in dem lichten Raum mit dem frühlingshaften Blumenschmuck, den festlich gedeckten Tischen und dem leckeren Buffet. Und doch ist das fröhlich-freundliche Ambiente für Trauernde vorbereitet. „Wir hatten schon bis zu knapp 40 Gäste und das war eine ganz schöne Herausforderung für unser Team“, erzählt Manuela Lang. Denn neben viel Verständnis und Gesprächsbereitschaft erwartet die Teilnehmer jedes Mal auch ein üppiges Buffet. „Trauernde vernachlässigen oft das Essen und erledigen die Nahrungsaufnahme nur so nebenbei“, weiß Manuela Lang aus langjähriger Erfahrung in der Trauerbegleitung. „Hier geht es um gepflegten Genuss in Gesellschaft“. Genauso überlegt wie das Angebot ist auch der Veranstaltungstag. Der Sonntag ist für Menschen in Trauer oft ein besonders schwerer Tag. Es gibt wenig Ablenkung, denn Geschäfte sind geschlossen, man macht keinen Hausputz und die meisten Bekannten verbringen das Wochenende mit ihren Familien. An Sonntagen wird einem Trauernden der Verlust eines lieben Angehörigen oft besonders bewusst.
 
Im Aichacher Trauercafé kommen Menschen zusammen, die ähnliches erfahren haben, man stößt auf Verständnis, braucht sich nicht lang zu erklären. Schnell kommen die Besucher an den schön gedeckten Tischen miteinander ins Gespräch. „Wir haben Gäste, die kommen schon seit Jahren zu uns“, erzählt Manuela Lang. „Gerade wenn der Tod eines Angehörigen schon länger zurückliegt, hat die Umwelt oft kein Ohr mehr für Trauer. „In unserem Kreis hier findet ein Gast auch viele Jahre später noch Verständnis“. Es sind oft die besonderen Anlässe wie Geburts- oder Hochzeitstage, die eine vermeintlich schon geheilte Trauerwunde wieder aufreißen. Manuela Lang und Christine Neukäufer sind dann ebenso zur Stelle, um einen Trauernden aufzufangen, wie Helfer aus dem Kreis der Hospizbegleiterinnen.
 
Bei all dem Schlemmen und Genießen könnte nun der Eindruck entstehen, dies sei das Herzstück des Trauercafés. Dem ist aber nicht so und dies bestätigen die Gäste ausdrücklich. Wichtiger als das Essen ist ihnen der Impuls, der im Anschluss an den gut eineinhalbstündigen Brunch gegeben wird. Im besinnlichen Stuhlkreis stellen sich die Gäste ihren Gefühlen in besonderem Maße, gehen in sich und erhalten wertvolle Anregungen, um auch im Alltag mit dem Verlust umgehen zu können.



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