Ponke Urban

Buchsbaumzünsler auf dem Vormarsch

Aichach-Friedberg (ike) | Über 50 Jahre hat Mechthild Hof in ihrem Garten in Friedberg West sorgsam ihre Beeteinfassungen mit Buchs gehegt und gepflegt und als Blickfang kunstvolle Kugeln geschnitten.

Bilder

Die Raupen des Pflanzenschädlings zerfressen kunstvoll geschnittene Kugeln und Beeteinfassungen.


Wie vertrocknet wirkt der Buchs, Raupenabsammeln zwecklos.
 
 
Nun ist die Pracht dahin, gelb und vertrocknet. Der Buchsbaumzünsler hat auch bei ihr zugeschlagen. „Letzten Herbst waren meine Buchskugeln noch sagenhaft, im April aber plötzlich fast weiß und abgestorben“, erzählt die Hobbygärtnerin frustriert. „Man ist schon enttäuscht, wenn man so viel Zeit und Geld in die Gartengestaltung investiert hat, und der Zünsler macht alles zunichte“, klagt die 77-Jährige . „Der Buchsbaumzünsler ist dabei, sich flächig auszubreiten“, hat Xaver Pollithy vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten festgestellt. Der Erreger komme aus wärmeren Gebieten vom Süden über die Alpen und verbreite sich im Zuge des Klimawandels rasant. Primär ist er Ansprechpartner für Gartenbaubetriebe in Schwaben und die westlichen Landkreise Oberbayerns und weiß von beträchtlichen Schäden in öffentlichen Parkanlagen mit Ornamentgärten aus Buchs. Die Sache sei kaum aufzuhalten, zeigt er sich überzeugt. „Wenn mein Nachbar den Zünsler hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er auch in meinem Garten landet“. Eine punktuelle Bekämpfung sei letztlich keine Problemlösung. „Ich verstehe nicht, dass Baumschulen weiterhin Buchs verkaufen“, wundert sich Pollithy. Mechthild Hof hat es auch mit dem Absammeln der Raupen versucht. „Aber du nimmst hundert weg und dreihundert neue kommen über Nacht“. Auch auf dem Grab ihres Mannes auf dem Friedhof in Herrgottsruh ist der Raupenbefall am Buchs ebenfalls schon zu sehen. „Die Abfalltonnen am Friedhof sind voll mit kaputten Buchs“, so hat sie beobachtet. Dies bestätigt auch Gerhard Mayer von der Kreisgruppe Aichach-Friedberg des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). „Die Buchsbäume an Gräbern zeigen Fraßschäden der Raupen. Diese spinnen sich derzeit ein. Dann wird sich die noch kleine Population am Friedberger Friedhof ausbreiten“. Die einzigen, die sich freuen, sind Meisen und Finken, für die sich eine neue Nahrungsquelle ergibt. Was ist zu tun? „Es kommt darauf an, wieviel Herzblut jemand in seinen Garten steckt“, findet Manuela Manuela Riepold. Als Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Aichach-Friedberg ist sie Ansprechpartnerin für Gartenfreunde im Landkreis. Wer sein Gartenkonzept auf Buchs ausgelegt hat oder seine Buchsstecklinge selbst gezogen hat, der sei sicher auch bereit, mühsam Raupen abzusammeln oder mit dem Hochdruckstrahler seine Kugeln zu behandeln. Ein anderer reiße die befallenen Pflanzen gleich raus, weiß sie. Was die Entsorgung größerer Buchsmengen betrifft, sollte man sich bei der Abteilung Abfallwirtschaft im Landratsamt erkundigen. Über den Einsatz zugelassener Giftmittel kann man sich auch anhand der online nutzbaren Diagnose- und Faktendatenbank arbofux.de umfassend informieren. „Unsere Landratsamtseite ist damit verlinkt, denn hier bieten Fachleute von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf aktuelle Erkenntnisse über Krankheiten, Schädlinge und Lästlinge an Laub- und Nadelgehölzen. Entscheidet man sich für eine Bekämpfung mit Spitzmitteln, so ist darauf zu achten, nur zugelassene sogenannte BT Mittel zu verwenden, betont Xaver Pollithy. Das sind biologische Pflanzenschutzmittel auf Basis des nützlingsschonenden Bacillus thuringiensis. Derzeit gibt es rund zehn verschiedenen Präparate mit guter Raupenwirkung und günstigem Ökoprofil im Handel, weiß der Fachmann. Vom Spritzen hält Helga Wurm von der Gärtnerei Ullmann in Mering gar nichts. Am Meringer Friedhof bepflanzt sie oft Gräber und rät ihren Kunden nicht generell vom Buchs ab. „. Wenn ein Buchs befallen ist, reißen wir ihn normalerweise raus. Aber manche Pflanzen erholen sich tatsächlich wieder, und manche Sorten scheinen resistenter zu sein als andere“. Es gibt allerdings noch eine weitere Krankheit, die den Buchs befallen kann, das ist das sogenannte Buchstriebsterben, ein Pilzbefall.
Ansprechpartnerin im Landratsamt Aichach-Friedberg ist Kreisfachberaterin Manuela Riepold, Tel. 08251/92-392 manuela.riepold@lra-aic-fdb.de


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