Ponke Urban

Faschingszug stärker als jedes Sturmtief

Mammendorf (oh) | Bis zuletzt sah es so aus, als würde Sturmtief Bennet den Faschingszug in Mammendorf so richtig durcheinanderwirbeln. Das Faschingstreiben war bereits wegen des windzerstörten Zeltes am Tag zuvor abgesagt worden. Doch kurz vor 14 Uhr am 5. März hatte der Wind doch noch ein Einsehen, und so konnten sich die 15 Wägen und zehn Fußgruppen ihren Weg über die Bundesstraße 2 (B2) bahnen.

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Die Ortspolitik kam im Gegensatz zu anderen Faschingszügen dabei relativ ungescholten davon. Die Feuerwehr packte die Thematik des verlegten Standesamtes ob der Bauarbeiten an: mit der Aufschrift „Hier beginnt der Krach schon vor der Ehe“ nahmen sie dabei die noch andauernde Erweiterung des VG-Gebäudes aufs Korn, und witzelten zudem: „Im Rathaus ist es jetzt zu laut, deshalb wird in Bruck getraut“.
 
Auch der SV Mammendorf machte auf einen Missstand aufmerksam: die nicht ganz so funktionierende Heizung in der neuen Sporthalle; passend dazu trainierte die Basketball- Abteilung während des Zuges fortwährend am mitgebrachten Basketballkorb. Die Schwimmabteilung machte auf die allgemeine Problematik der Radfahrer aufmerksam: um sich vor dem Verkehr zu schützen, schlugen diese vor, Schwimmnudeln als Abstandshalter zu benutzen.
 
Das Volksbegehren zum Artenschutz inspirierte ebenfalls einige Teilnehmer: der Trachtenverein D’Moasawinkler spottete in seiner Fußgruppe mit einem Glücksrad: „Und was retten wir als nächstes?“ Als mögliche „Gewinne“ standen etwa das Abendland, das Bier, der Diesel oder die Bauern auf dem Spielbrett. Die SVM Abteilung Tanzen hatte sich ebenfalls in Bienenkostüme geworfen, und auch der Burschenverein erinnerte an das in Mammendorf gestohlene Plakat zum Artenschutz: „Plakatdiebstahl stoppt das Artensterben nicht.“ Der Burschenverein Hattenhofen machte auf die Bauern aufmerksam, die sich mit den Konsequenzen einer Umsetzung des Volksbegehrens auseinandersetzen müssten. Ganz konkret forderte der Burschenverein Adelshofen einen „Gedankenwandel statt Unterschriftenhandel“.
 
Von vielen bewundert wurde die Fußgruppe der Alfinetawepe, die das 60-jährige Jubiläum der Beatles etwas im Voraus feierte. Die Kostüme sowie das ikonische „Yellow Submarine“ waren eine Schau für sich. Die Tanzgruppe Adelshofen zog mit „Blue Vision“ den Zug entlang. Mit großem Aufwand und äußerst kreativ ging der Burschenverein Dünzelbach mit seinem heurigen Wagen um: er nahm sich den zu Ende gehenden Kohleabbau als Thema und gestaltete einen (funktionierenden!) Kohlebagger als Wagen, passend mit einem Firmenschild der örtlichen Baufirma versehen und „gestiftet“ von RWE. Allgemein zeigten die Wägen wieder liebevoll gestaltete und detailreiche Motive, vor allem maritime: Ettis-Bayernstüberl ging mit einem riesigen Piratenschiff auf große Fahrt ebenso wie die Schwabegger Gauditruppe mit einem detailverliebt gestalteten Geisterschiff; und auch das Traumschiff mit seiner neuen prominenten Besatzung wurde von der Landjugend Puch und Biburg zur Schau gestellt.
 
Mystisch wurde es bei der Landjugend Luttenwang, die sich das Harry Potter-Spinoff „Phantastische Fabelwesen und wo sie zu finden sind“ zur Brust nahmen und es in eine etwas mehr dem Alkohol zugeneigte Version umwandelten Die Jesenwanger ließen den Winter noch einmal Revue passieren mit einem Apres-Ski-Wagen, die KBV Fußgruppe ließen Asterix und Obelix wieder auferstehen (mit akkuraten Kostümen der Akteure) gefolgt vom Wagen des KBV Mammendorf mit den starken Wikingern aus Flake – oder zumindest dem Alkohol lastigeren Pendant.
 
Einen alten Videospiel- Klassiker stellte die Burschenschaft Hausen dar: sie kamen als Moorhühner verkleidet, passend auf einem Hochstandwagen. Die Turnergarde Moorenweis feierte unter dem Motto „Garde goes wild“ auf ihrem Wagen, während die Schmiechener Garde in Formation zur Musik marschierte – eine interessante Abwechslung zwischendurch.
 
Die Burschenschaft Landsberied flog – ganz im Sinne des neuen bayerischen Ministerpräsidenten – mit einem Raumschiff ins All und wollte den fränkischen Initiator gleich mit hinaufnehmen. Zu guter Letzt setzten die Schwache Blosn mit Live-Musik sowie die Couch-Kartoffeln mit ihrem fahrbaren Sofa einen runden Punkt unter den Gaudiwurm.
 
Zugwertung und Wetteraussichten
Prämiert wurden nach Ende des Zuges mit einem Wanderpokal die Feuerwehr Mammendorf (als einheimischer Motivwagen) und der Burschenverein Dünzelbach (als auswärtiger Motivwagen). Bei der gemeinsamen Wertung für einheimische und auswärtige Fußgruppen konnte der Burschenverein Mammendorf den Sieg davontragen. Es bleibt zu hoffen, dass nächstes Jahr die Wetterkapriolen sich etwas gnädiger sowohl für den Zug als auch für das Faschingstreiben zeigen, und dass unschöne Szenen wie die Schlägerei, die sich während des Zuges entwickelte, im nächsten Jahr ausbleiben.


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