Ponke Urban

Selbstbestimmtes Leben für Senioren - Austausch über Projekte und Vernetzung im Friedberger Schloss

Friedberg (ike) | Wie können Senioren selbstbestimmt leben? Eine gemeinsame Tagung der Landkreise Aichach-Friedberg und Augsburg machte den Anfang einer Vernetzung, um Themen wie Wohnen, Einkaufen und Nahverkehr künftig besser stemmen zu können.

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Als Praxisbeispiel aus dem Landkreis stellten Bürgermeister Erwin Gerstlacher und Claudia Bordon-Vieler das Rieder Quartierskonzept vor.Foto: ike

Als Praxisbeispiel aus dem Landkreis stellten Bürgermeister Erwin Gerstlacher und Claudia Bordon-Vieler das Rieder Quartierskonzept vor.Foto: ike

Wer hilft Oma Schmid, damit sie so lange wie möglich ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben in ihrem Zuhause führen kann? Der charmante Arbeitstitel gab den Impuls für einen Austausch unter dem Motto „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune“.

Angesprochen waren in erster Linie Bürgermeister und Seniorenbeauftragte, um sich über Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten bei der Unterstützung von Senioren zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und sich Anregungen anhand von Praxisbeispielen zu holen. Der demografische Wandel unserer Gesellschaft stellt die Kommunen vor große Herausforderungen. Der Sozialstaat kann aber nicht alle damit verbundenen Probleme und Anforderungen lösen, darum ist bürgerschaftliches Engagement mehr denn je gefragt.

Was Bürgermeister Roland Eichmann bereits in seiner Begrüßung als Gastgeber im Friedberger Schloss ansprach, zog sich wie ein roter Faden durch alle Grußworte, Vorträge und Referate. Wie kann es gelingen, ältere Menschen so lange wie möglich in ihrem Umfeld wohnen zu lassen und für sie ein soziales Netz zu bereiten, das bei Bedarf für Hilfe sorgt? Derzeit werden in den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg die seniorenpolitischen Gesamtkonzepte weiterentwickelt, wie Landrat Martin Sailer aus Augsburg als Co-Veranstalter von Landrat Klaus Metzger informierte.

Doch wer sind denn eigentlich „die Senioren“, fragte Staatssekretärin Carolina Trautner vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales in ihrem Grußwort. Es gebe keine homogene Zielgruppe, vielmehr viele unterschiedliche Lebenswelten, Lebensentwürfe und Lebensgefühle. Auch die Tatsache, dass angesichts einer steigenden Lebenserwartung die Zeit nach dem Erwerbsleben sich auf eine Spanne von bis zu vier Jahrzehnten ziehen kann, sei eine große Herausforderung für eine gute Seniorenpolitik, so die Landtagsabgeordnete. Da helfen keine Standardlösungen. Jeder von uns, ob jung oder alt, müsse sich von diesem Thema angesprochen fühlen, betonte Gerhard Dix, Referatsdirektor des Bayerischen Gemeindetags. Als Leiter des Referats für Bildung und Soziales hat er sich viel Fachkenntnis rund um die Belange von Senioren erworben. Sein Appell ging an die Kommunen und die Bürger, sich nicht auf gesetzliche Ansprüche zu berufen, sondern selbst tätig zu werden.

„Die Leute leben bei Ihnen“, betonte er und forderte dazu auf, mit dem Werkzeug der integrierten Sozialplanung gemeinsam Vorstellungen zu entwickeln, wie es in einem Ort weitergehen könne, wenn die Zahl der Menschen im Seniorenalter zunimmt. Zunächst sei jeder für sich selbst verantwortlich und müsse sich damit auseinandersetzen, wie er sich ein Leben im Alter vorstellt und sich rechtzeitig ein persönliches Umfeld zu schaffen, das bis ins Seniorenalter trägt. Die Daseinsvorsorge beschränke sich bei weitem nicht auf die Unterstützung im Pflegefall.

Seniorengerechte Wohnungen, die passende Infrastruktur, insbesondere Einkaufsmöglichkeiten und der öffentliche Personennahverkehr sowie Betreuungsangebote sind die Herausforderungen an die Gemeinden. Was es dabei an Fördermöglichkeiten von Seiten des Staates gibt, darüber informierte Sabine Wenng von der Arbeitsgruppe Konzepte, Sozialplanung und Altersforschung in München, die die Veranstaltung im Friedberger Schloss auch moderierte. Sie ist im Rahmen der Koordinationsstelle Wohnen im Alter bayernweit unterwegs, um Konzepte und Initiativen für ein gutes Miteinander der Generationen zu begleiten. Auch in Ried war sie beratend vor Ort, als dort vor einigen Jahren im Rahmen der Gemeindeentwicklung ein Quartierskonzept auf die Beine gestellt wurde.

Die Vorstellung des mittlerweile erfolgreichen Projekts war eines von vier Praxisbeispielen aus den Landkreisen. Wie altersgerechte Quartierskonzepte gelingen können, darüber referierte auch Hubert Plepla, der im Unterallgäu sehr erfolgreich Demografieberatung für Kommunen und Verbände anbietet. Er sprach davon, eine „Mitwirkungsgesellschaft“ aufzubauen und nicht nur alle Helfer, sondern auch die Betroffenen selbst mit ins Boot zu holen.

Die Bedeutung des gemeinsamen Tuns griff auch Landrat Klaus Metzger in seiner Verabschiedung noch einmal auf. Eine Gesellschaft sei nur so stark wie sie sich als Gemeinschaft verstehen könne.


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