Ponke Urban

Internationale Mädchengruppe - Kissing

Kissing (ike) | Das gemeinsame Teetrinken lieben die Mädchen am meisten. Jede Woche trifft sich eine Mädchengruppe unter der Leitung von Veronika Machilek im Kissinger Mehrgenerationenhaus (MGH) Casa Cambio in der Nelkenstraße 18 zum Basteln, Backen, Spielen und natürlich auch zum ausgiebigen Ratschen.

Bilder
Einen Riesenspaß bei den Gruppentreffen der Mädchengruppe im Mehrgenerationenhaus haben diese Mädchen verschiedener Nationen. Foto: ike

Einen Riesenspaß bei den Gruppentreffen der Mädchengruppe im Mehrgenerationenhaus haben diese Mädchen verschiedener Nationen. Foto: ike

Veronika Machilek leitet die Mädchengruppe im Kissinger Mehrgenerationenhaus
 
Die Acht- bis Elfjährigen freuen sich auf jeden Donnerstag, wenn es von 17 bis 18:30 Uhr wieder heißt: Es ist Gruppenstunde. Jede Woche sind Rolian, Nilofar, Nadija, Hiwa, Dalal, Shahendai, Joanna sowie Amna und Thalia gespannt darauf, was Veronika Machilek für sie vorbereitet hat. Die 27-jährige Kissingerin ist Referendarin in Elternzeit und hat sich bereit erklärt, die wöchentliche Gruppe zu leiten. Schon seit dem Frühjahr hatte MGH-Leiterin Brigitte Dunkenberger eine pädagogisch geschulte Kraft gesucht, um nach längerer Pause wieder eine Mädchengruppe anbieten zu können. Ganz anders als in den Vorjahren hat sich dieses Mal eine recht internationale Gruppe zusammengefunden. Die teilnehmenden Mädchen stammen aus fünf verschiedenen Nationen. Sie kommen aus Jordanien, Bosnien, Afghanistan, Syrien und Deutschland. Für Veronika Machilek ist dies vertrautes Terrrain. Sie ist selbst im Kissinger Asylhelferkreis aktiv und besucht mit ihren beiden Kindern, fünf und ein Jahr alt, auch regelmäßig den Krümeltreff im Mehrgenerationenhaus. Freudig kommen die Mädchen jede Woche im Gruppenraum des MGH zusammen und sind offen für alle Angebote. Da werden Fensterbilder oder Windlichter gebastelt oder auch Sterne ausgeschnitten oder gefaltet. Auch für Nikolausbasteleien und Adventsgeschichten vor Weihnachten waren die Mädchen mit größtenteils muslimischer Herkunft offen. Die Schüler aus der zweiten bis sechsten Klasse fühlen sich schon allein durch die Schule in der neuen Kultur zuhause und sind offen für alle Angebote. Dass sie aus verschiedenen Nationen stammen, ist den Mädchen beim begeisterten Tun selten bewusst. Nur wenn beispielsweise Pizza gebacken wird und sie gemeinsam die Teigböden belegen, fällt ihnen wieder ein, dass sie als Muslime ja keinen Schinken essen. Die deutsche Sprache geht den jungen Migrantinnen leicht von den Lippen und sie sind voller Freude über die Geselligkeit in der Gruppe. „Wir haben ein tolles Mobile gebastelt, das habe ich an meine Zimmertür gehängt“, erzählt Joanna mit Begeisterung. Die Gruppe trifft sich seit September und bei anfänglich schönem Wetter genossen die Mädchen vor allem auch das Spielen und Toben im weitläufigen Garten des Mehrgenerationenhauses. Teilweise leben sie mit ihren Familien und oft vielen Geschwistern noch in den Flüchtlingswohnheimen und wohnen beengt. Besonders liebt die Gruppe es, wenn das Backen angesagt ist. „Veronika, wann backen wir wieder?“, ist eine häufig gestellte Frage. Über die Plätzchenbäckerei vor Weihnachten hinaus gibt es Pizza, CupCakes, Blätterteigtaschen oder auch Muffins. Wenn alles frisch aus dem Ofen kommt, dann wird der Tisch gedeckt, Tee gekocht und alles gemeinsam verzehrt. Diese Gesprächsrunden genießen die Mädchen sehr und erzählen dann auch gerne von der Schule oder ihrem Alltag in den Familien und was sie in der Freizeit alles so machen. Schnell sind die anderthalb Stunden um und man verabschiedet sich voller Vorfreude auf die kommende Woche. Ab Februar kehrt Gruppenleiterin Veronika Machilek wieder in den Schuldienst zurück und unterrichtet am Peutinger Gymnasium Deutsch, Sozialkunde und Geschichte. „Die Gruppe möchte ich gerne weiterführen, denn die Mädchen sind mir ans Herz gewachsen“, betont sie.