Marcel Eberhardinger
| Markt Mering - Aktuell

„Anne Frank“ beeindruckt im ausverkauften Neuen Theater Mering

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(v.l.n.r.): Andreas Gärtner (Herr Frank), Ingrid Martin (Frau Frank), Marizio Karge (Peter van Daan), Louisa Grötsch (Margot), Irene Neukirch und Stefan Grundei (Herr und Frau van Daan), Pedro Kopfmüller (Herr Dussel), Carolin Heinrich (Anne Frank) Foto: mkräp

(v.l.n.r.): Andreas Gärtner (Herr Frank), Ingrid Martin (Frau Frank), Marizio Karge (Peter van Daan), Louisa Grötsch (Margot), Irene Neukirch und Stefan Grundei (Herr und Frau van Daan), Pedro Kopfmüller (Herr Dussel), Carolin Heinrich (Anne Frank) Foto: mkräp

(mkräp) | Ausgerechnet Anne Frank, das jüdische Mädchen, das zwei Jahre vor den Nazis versteckt blieb, bevor es entdeckt wurde, glaubt an das Gute im Menschen. So steht es in ihrem Tagebuch, das in Mering als Bühnenstück fünf Mal zur Aufführung kam.
„Ich glaube an das Gute im Menschen!“, beteuert Anne Frank. Menschlichkeit in all ihren Facetten brachten auch die Schauspieler in unterschiedlichen Facetten zum Ausdruck. Obwohl das Stück mit zwei Akten in nur einem Raum, dem Versteck, spielt, gelingt es den Schauspielern unter der Regie von Markus Schwab Spannung zu erzeugen. Abwechselnd herrschen Angst, Freude, Hoffnung und Niedergedrücktheit. Das traurige Ende der Personen ist bekannt und gerade deshalb bleibt den Zuschauern die Freude im Halse stecken, wenn Anne (Carolin Heinrich) mit ihrem Vater (Andreas Gärtner) auf der Bühne tanzt oder wenn sie mit Peter (Maurizio Karge) flirtet.
Carolin Heinrich zeigte die kindliche Heiterkeit der 13-jährigen Anne im ersten Akt und nach der Pause die jugendliche Nachdenklichkeit einer 15-Jährigen mit minimalistischer Mimik. Auch die anderen Schauspieler überzeugten mit leisen Tönen, statt großer Gestik. Ingrid Martin als Annes Mutter überzeugte durch die Unfähigkeit Emotionen zuzulassen, bis diese, kurz vor dem Ende, geballt aus ihr herausbrachen.
Sicher, es „menschelt“ und die Gefühle kochen hoch, wenn sie, abgeschnitten von der Außenwelt, nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und kaum eine Chance haben sich zu bewegen. Das Ehepaar Frank versucht mit Schulunterricht und einem geregelten Tagesablauf ihren Kindern Anne und Margot (Louisa Grötsch) sowie Peter, dem Sohn der Familie van Daan, so viel Normalität wie möglich zu bieten. Das kleinste Fehlverhalten bedeutet das sichere Ende, daher gelte es, „niemals, niemals über diese Tür hinauszugehen. Für meine Gedanken gibt es weder Schloss noch Riegel“, fasst dies Vater Frank pathetisch zusammen.
Das Stück sei zeitlos, findet Regisseur Markus Schwab. Wenn Menschen verfolgt würden, gebe es immer auch die anderen: Menschen, die helfen. Das Gefühl des Verstecktseins einer Gruppe von Individuen mit all ihren Charakterzügen, Vorlieben und Fehlern, habe ihn gereizt an dem Stück. Das Gefühl der Enge habe sich auch während der Proben breit gemacht. Schließlich stehen die meisten Darsteller während der gesamten Aufführung auf der Bühne. Pedro Kopfmüller (Herr Dussel) und Thilo Paulin (Herr Kraler) fanden es schwierig, dass man sich nicht gegenseitig auf die Füße tritt.
Die Enge und die Verzweiflung auf der Bühne bewirken auch, dass am Ende der Vorstellungen nur zögerlich geklatscht wurde. Das Publikum war beeindruckt, keine Frage. Doch wer mag angesichts eines solchen Schicksals in Jubelrufe ausbrechen. Nächstes Stück: Das nächste Stück des Neuen Theater Mering kommt im Herbst zur Aufführung. Was, wird noch nicht verraten. Sobald bekannt, gibt es Infos unter www.neues-theater-mering.de oder Telefon 08233 / 780 193.