Ponke Urban

Spannender Einakter nach einem Verbrechen in Unterbergen

Mering (hesep) | Das Publikum der Aufführungen im Oktober in Mering war von Schauspieler Simon Nagy begeistert. Wer keine Zeit hatte, kann das Stück am 20. Januar im AbraXas in Augsburg sehen.

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Schauspieler Simon Nagy zeigt den Einakter "BluatLech" der Meringer Autorin Martina Drexler aufgrund des großen Erfolges in Mering am 20. Januar um 19:30 Uhr im Augsburger Kulturtheater Abraxas. Foto: hesep

Schauspieler Simon Nagy zeigt den Einakter "BluatLech" der Meringer Autorin Martina Drexler aufgrund des großen Erfolges in Mering am 20. Januar um 19:30 Uhr im Augsburger Kulturtheater Abraxas. Foto: hesep

„Das Leben ist nur ein Hauch, wie kann ich am Ende einen Anfang wagen?“ fragte Mathias und holte den Hut des getöteten Ludwig aus der Schublade. Seine Geschichte ist Teil einer größeren Geschichte, endete der einstündige Einakter „BluatLech“. Es ist das vierte Stück, welches das vor acht Jahren gegründete „Artus Ensemble“ mit Autorin Martina Drexler und Regisseur Hubert Schmucker auf die Bühne brachte. Aufgrund der Begeisterung des Publikums bei drei ausverkauften Aufführungen in Mering folgt am 20. Januar um 19.30 Uhr im Abraxas Kulturtheater Augsburg (Sommestr. 30) eine weitere in Zusammenarbeit mit dem jüdischen Kulturmuseum und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Augsburg.
 
Die Bücherei Mering verwandelte sich erstmals in einen Theatersaal für etwa 80 Zuschauer. Sie waren gepackt von der spannenden Umsetzung und zeigten dem Schauspieler Simon Nagy aus München mit Bravorufen, stehenden Ovationen und Lob, wie begeistert sie von seiner Leistung in der Doppelrolle waren. Die 14 Seiten Textbuch hatte der 29-jährige nebenberufliche Schauspieler an seinen beiden freien Werktagen gelernt. Nur durch das Hineingehen in die Emotionen konnte er sich Text schnell merken. Schwieriger war es für ihn, sich in Mathias hineinzuversetzen, der Ludwig entsprach mehr seinem Naturell. Die Entscheidung, ihr Theaterstück in Mering auf die Bühne zu bringen, hatte Autorin Martina Drexler ganz bewusst getroffen: „Der Mörder wurde in Mering gefasst und deshalb soll die Aufführung am Ort des Geschehens stattfinden“, verriet sie.
 
Der Autor des Sachbuches „Mord am Lech“, Yehuda Shenef aus Augsburg, erläuterte den Zuhörern die Ereignisse rund um den 12. August 1762. Der 19-jährige jüdische Goldschmiedelehrling Ludwig Bach aus Kriegshaber war mit dem Zug nach Mering gefahren und zu Fuß nach Unterbergen gelaufen. Dort traf er in einem Gasthaus auf den verarmten Bauernsohn Mathias Brunnhuber, dem er eine silberne Uhr verkaufen konnte. „Der Gerichtsreporter sagte, dass er ihm von der Tat mit einer solchen Gleichgültigkeit erzählte, als ob er ein Huhn geschlachtet hätte“, berichtete Shenef. Dumm sei er ebenfalls gewesen, weil er in Augsburg versuchte, den Schmuck des Opfers zu verkaufen und Verwandte diesen wiedererkannten. Seine lebenslängliche Haftstrafe in Kaisheim endete aufgrund der katastrophalen Bedingungen 1877 mit dem Tod. Da Ludwig Bachs Mutter und seine aus derselben Familie stammten, interessierte ihn das Schicksal des jungen Mannes, auf das er im Grabregister mit einer halben Zeile aufmerksam geworden war.
 
Nach einem Trommelwirbel erzählt der Bauernsohn Mathias mit tiefer Stimme von seinem ständigen Hunger nach Nahrung und Berührung. Als letztes von neun Kindern und dem frühen Tod des Vaters begann sein Elend sehr früh. Die Familie musste sich bei Juden Geld leihen, die Dorfbewohner redeten über sie, Mathias empfand Trauer und Zorn. Später wurde das Haus verkauft und sie zogen in ein Austragshaus, das eng wie ein Viehstall war. Mit wenig Essen musste er schon im Alter von 13 Jahren harte Feldarbeit leisten. „Weißt du, wie sich Hass anfühlt - wie ein Messer im Kopf“, schrie Simon Nagy. Später lernte er die Fabrikarbeiterin Marianna kennen, die er sehr liebte. Aber ihre zwei Brüder verlangten plötzlich Geld für ein Kind von ihm. Jetzt kam noch Angst hinzu. Detailliert schildert Martina Drexler die Unterschiede in den Persönlichkeiten von Mathias und Ludwig sowie die vielen Ereignisse und Gründe, die zum Mord am 12. August 1862 führten. „Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du!“ galt für Ludwig Bach als wichtige Lebensregel der Thora. Aber sie hinderte nichts an der Tatsache, dass er zur falschen Zeit am falschen Ort war.
 
Elisabeth Mutter aus Schmiechen war nach der Aufführung ganz aufgewühlt. „Ich fühlte mit dem Täter mit. Ich wohne ja nicht weit entfernt und wusste nichts über den Fall. Beeindruckt war auch Erster Bürgermeister Hans-Dieter Kandler. „In der Zeitung liest man immer nur die Fakten. Hier zeigt sich, dass jeder, Mörder und Opfer, eine eigene Geschichte haben und man erfährt auch die Gedanken des Täters nach der Tat“, verriet er. Peter Nickig aus Augsburg, der regelmäßig das Theater in Augsburg und München besucht, sagte: “Nicht nur das persönliche Schicksal, die Not der Menschen und die Situation der Juden wurden hervorragend herausgearbeitet, auch das Bühnenbild mit dem Saal des Gasthauses ist phantasievoll gestaltet“. Die Qualität, die Simon Nagy auf der Bühne zeigte, entspreche der Leistung der Augsburger Bühne, meinte er.


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