Marcel Eberhardinger

Noch 78 Tage mit Herzblut im Bürgermeisteramt

Mering (hesep) | Fast alle Plätze in der Mehrzweckhalle waren belegt, als Erster Bürgermeister Hans-Dieter Kandler seine letzte Bürgerversammlung abhielt. Auch die Mitarbeiter der Verwaltung waren anwesend, um Fragen beantworten zu können.

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Hans Dieter Kandler bei seiner letzten Bürgerversammlung. Foto: hesep

Hans Dieter Kandler bei seiner letzten Bürgerversammlung. Foto: hesep

Erster Bürgermeister Hans-Dieter Kandler lud zu seiner letzten Bürgerversammlung ein. Er bedankte sich auch für Kritik von Bürgern und möchte in guter Erinnerung bleiben.
 
Bevor der Bürgermeister seinen Tätigkeitsbericht vortrug, gedachten alle Anwesenden den verstorbenen Yves Pinon, langjähriger Präsident des französischen Partnerschaftskomitees in Ambérieu, Marktgemeinderat Max Bader und der ehemaligen Lehrerin und Marktgemeinderätin Maria Kretschmer.
 
Die Versprechen der Regierung von Schwaben bezüglich der Dependance des Ankerzentrums in Mering seien eingehalten worden, es sei zu keinen Vorfällen gekommen und er sei weiterhin in Kontakt mit Regierung, Ausländerstelle und Polizei.
 
Kandler ging auf die Anträge der Bürger vom letzten Jahr ein. Eine Nordumfahrung Merings wurde im Gemeinderat abgelehnt und ist im Wegeplan des Freistaates nicht in den vordringlichen Bedarf aufgenommen worden. Für die Schlossmühle wird ein neuer Mietvertrag ausgearbeitet. In der Unterberger Straße wird noch im Jahr 2020 ein Gehweg mit Beleuchtung angelegt. Die Straße zwischen Meringerzell und Baierberg ist repariert. Der Satzungsentwurf für die Bürgerstiftung wurde der Kommunalaufsicht im Landratsamt zur Genehmigung eingereicht, für interessierte Bürger soll ein Flyer erstellt werden.
 
Das Jahr 2019 war geprägt von vielen Sondersitzungen. Zeitintensiv waren die Vergabeverfahren für die neuen Kinderhorte. Die Gemeinde konnte Einnahmesteigerungen verbuchen. Die Gewerbesteuer lag weiterhin bei 3,39 Mio. Euro, aber es mussten statt 900.000 Euro nur 700.000 Euro Gewerbesteuerumlage bezahlt werden. Die Grundsteuer betrug 1,7 Mio. Euro, die Grunderwerbssteuer 400.000 Euro. Das Einkommensteueraufkommen lag bei 11 Mio. Euro. Dem stehen allerdings aufgrund der Ausdehnung der Kinderbetreuung Personalkosten von 4,9 Mio. Euro gegenüber, 2,1 Mio. mehr als im Jahr 2009. Die Kreisumlage betrug 7,3 Mio. Euro im Vergleich zu 4,2 Mio. Euro vor 10 Jahren. Sie kam in Mering der Aufstockung des Gymnasiums und dem Mensagebäude zugute. Der Schuldenstand Merings sank um 1 Mio. auf 8,2 Mio. Euro. Darin enthalten ist eine Kreditaufnahme von 4 Mio. Euro für die Erschließung des Gewerbeparks Mering West, die bis 31. Dezember getilgt werden muss. „Ich bin stolz, am Ende meiner Amtszeit ein finanziell geordnetes Haus zu übergeben. Das habe ich nicht allein geschafft, sondern nur gemeinsam mit den Mitarbeitern meiner Verwaltung“, freute sich Kandler.
 
Der Bürgermeister bedauerte, dass der Marktgemeinderat die bis 31. Dezember gesetzlich begrenzte Möglichkeit, kostengünstiges Bauland zu entwickeln, nicht nutzte. Was den Gewerbepark Mering West betrifft, haben die Bewerber einen Kaufvertragsentwurf erhalten und müssen bis 31. März ihre Finanzierung vorlegen. 3,5 ha seien noch frei, aber schon vier aussichtsreiche Bewerber vorhanden.
 
In Mering entstehen bis 1. September 2021 neue Horte in der Klostergasse und in der Ambérieustraße. Die Bauarbeiten für die 10 Mio. Euro teuren Maßnahmen können voraussichtlich nach der Frostperiode beginnen. Der Kindergarten Kapellenberg soll bis 1. September durch Um- und Ausbau des Gebäudes auf dem Nachbargrundstück erweitert werden. Dadurch entstehen zwei Krippen- und eine Kindergartengruppe mit 70 Plätzen. Der Waldkindergarten ist auch zu diesem Termin geplant, Stellplätze sind noch erforderlich. Da der Freistaat pro Kind und Monat 100 Euro Zuschuss an die Eltern bezahlt, was bei den Kommunen für Investition und mehr Personal besser angelegt gewesen wäre, wurde eine Kindergartengebührenerhöhung um 30 Prozent beschlossen.
 
Straßen, Kanal- und Wasserleitungen werden regelmäßig ausgebessert. Im Juli begann die Erweiterung des Bauhofs: es sind eine Fahrzeughalle im EG und neue Sozialräume im OG geplant. Die Kosten der Maßnahme liegen bei 1,8 Mio. Euro. In der Wendelsteinstraße entsteht ein neues Wohnobjekt der Kreiswohnbau GmbH. Zum neuen Gemeindehaus der evangelischen Kirche gab die Gemeinde einen Zuschuss von 130.000 Euro und übernahm die Kosten für die Pflasterung der Straße in Höhe von 80.000 Euro, um den Kirchenhof auszuweiten und in den öffentlichen Straßenraum wirken zu lassen. Das Projekt der Pfarrgemeinde auf dem Gelände des Papst-Johannes-Hauses wird die Gemeinde mit 500.000 Euro bezuschussen und selbst ein neues Rathaus mit Tiefgarage und neuen Marktplatz planen. Nach der Beratung des Marktgemeinderates am 12. März geht der Auslobungstext in die Bürgerbeteiligung. Mit einer endgültigen Fassung kann der Realisierungswettbewerb beginnen. Parallel dazu wird das Projekt „Verkehrsberuhigung im Ortszentrum“ angepackt, 120.000 Euro sind im Haushalt bewilligt. Die Ambérieustraße wird ebenfalls neugebaut: es gibt eine Einbahnstraßenregelung und behindertengerechte Bussteige. Im Bereich des neuen Trachtenheims erfolgte am 31. Januar auf einem Areal von fast 7000 qm der Spatenstich für den Römerspielplatz. Mering investiert dort 180.000 Euro, um neue Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu schaffen.
 
„Orte und Plätze zum Begegnen und Feiern, aber auch Erholen waren mir immer wichtig“, erklärte Hans-Dieter Kandler. Am Badanger sei dies möglich. Es gab immer wieder verschiedene Konzerte, den Biergarten, im letzten Jahr auch noch den Weltkindertag und den Blaulichttag. Auch der Marktplatz sei ein solcher Platz, an dem der Wochenmarkt, Maitanz, Christkindlmarkt, Operngala und Fußballgarten stattfinden. Er habe Bürger, die für ihre Mitmenschen ein neues Angebot ins Leben rufen wollten, stets unterstützt.
 
Es gab neun Wortmeldungen von Bürgern. Lothar Haupt bewarb sich als neuer Marktbeauftragter. Joachim Pagel und Anton Schlickenrieder stellten den Antrag auf eine dauerhafte Lösung für das Heimatmuseum. Zwei Bürger kamen auf die Kündigung der Hortplätze zum Ende des Schuljahres zu sprechen. Eine Bürgerin fragte bezüglich der Fitnessgeräte im Badangergelände nach. Sie waren aufgrund der Kosten von 700.000 Euro vom Marktgemeinderat abgelehnt worden.
 
„Ich hatte über 20 Jahre eine 6 bis 7 Tage-Woche, aber meine Arbeit hat mir immer viel Spaß gemacht. Meine Amtszeit endet in 78 Tagen. Ich danke allen, die mich unterstützt haben, aber auch denen, die mich kritisiert haben. Ich denke an das Gelungene und wünsche mir, dass Sie mich in guter Erinnerung behalten“, verabschiedete sich der Bürgermeister.


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